Familiengeschichte Nathan
Der Ende des 19. Jahrhundert zugezogene Abraham Nathan (*1859) bekam mit Berta Stern (*1857) aus Romrod die fünf Kinder Hermann (1887-1932), Marcus (*1900), Blanka (*1891), Mathilde (*1894) und Gertrude (1897-1943).
Vor allem die nächste Generation mit ihren Kindern war diejenige, die vom NS-Regime in die Emigration getrieben oder in die Ghettos und in die Vernichtungslager deportiert wurde.
Stammbaum Abraham Nathan
Jüdische Familien und ihre Wohnhäuser in Roth
Familie Abraham Nathan ››Bettches‹‹
Gerdi, Betty und Cilly Nathan, 1939
Unter der Linde 2Bertha Nathan (1857-1939), geb. Stern, genannt Betty, bewohnte das Haus Unter der Linde 2 mit ihrem Mann Abraham Nathan (*1859) und ihren Kindern Hermann (1887-1932) und Gertrude (1897-1943), genannt Gerti. Gertrude blieb unverheiratet. Hermann heiratete Pauline (1884-1943), geb. Goldschmidt, mit der er eine Tochter Cäcilie (1919-1943), genannt Cilly, bekam. Hermann Nathan starb 1932 im Alter von 45 Jahren.

Antrag auf Gebührenermäßigung 1938 und die Ablehnung
Sein Tod verschärfte die ohnehin bestehenden finanziellen Schwierigkeiten der Familie. Cilly arbeitete zeitweise in Frankfurt als Haushälterin und hatte in dieser Zeit ein eigenes Einkommen, sie musste aber krankheitsbedingt nach Roth zurückkehren. Von dort wurde sie gemeinsam mit ihrer Mutter und ihrer Tante im Dezember 1941ins Ghetto nach Riga deportiert. Nach der Auflösung des Ghettos am 2. Nov. 1943 wurden sie nach Auschwitz deportiert, wo sie noch im November umgebracht wurden. Bertha Nathan musste die Deportation nicht mehr erleben. Sie starb 1939 im Alter von 82 Jahren.
Gerdi Nathan (links) und Selma Stern (rechts)
Cilly Nathan (oben links), Herbert Roth (darunter) und Heinz Bergenstein (rechts)Jüdische Familien und ihre Wohnhäuser in Roth
Lahnstraße 28
Die Synagoge und das benachbarte Gebäude Lahnstr. 28 sind die einzigen Häuser in Roth, die seit dem 18. Jahrhundert in jüdischem Besitz nachweisbar sind. Unter anderem lebte dort im 19. Jahrhundert die Familie Wäscher. Ab dem Jahr 1885 ist hier das Lebensmittelgeschäft des Baruch Nathan nachgewiesen. Dieser stammte aus Lohra; 1855 heiratete ihn in zweiter Ehe Giedel Höchster, geb. Stern. Sie hatten drei Kinder: Nathan, Marjane und Abraham. Abraham wohnte später mit seiner Frau Betty Unter der Linde 2. Die Familie Nathan blieb bis 1902 im Besitz des Hauses und des Geschäfts.
Die letzte jüdische Bewohnerin war Rahel Nathan, die im Dorf »Alt Rah« genannt wurde. Sie betrieb im Geschäft wohl außerdem eine kleine Schank-wirtschaft. Aus einem Zeitzeugeninterview ist überliefert, dass »Alt Rah« sehr schlecht sah und deswegen beim Einschenken der Getränke immer mit einem Finger prüfte, ob das Glas voll war. Nach den Nathans wurden Haus und Laden Eigentum der Familie Hormel. Die Bilder stammen aus dieser Zeit und zeigen das Haus um 1920 und 1928, vor und nachdem dort umfangreichere Umbaumaßnahmen durchgeführt wurden.
Lahnstraße 28, 1920
Lahnstraße 28, 1928

