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Familiengeschichte Stern

Herz Stern wurde etwa 1791 geboren und verwaiste offenbar früh. Die kinderlose Schwester Scheile seiner Mutter, verheiratet mit Aaron Seligmann in Roth, nahm ihn im Alter von etwa vier Jahren zu sich und zog ihn auf. Nach dem Tod ihres Mannes 1796 nahm Herz sich allmählich ihrer Geschäfte an und führte sie schließlich für sie. Am 1. Februar 1815 schloss er einen Ehekontrakt mit seiner Cousine Miriam Bonfang aus Lohra, Tochter einer weiteren Schwester Scheiles, in dem festgelegt war, dass Scheile sofort nach der Eheschließung ihrem Neffen ihr Wohnhaus nebst Hofraum, dazu ihr Geschäft, allen Hausrat sowie 600 fl Frankfurter Währung übergeben werde, ausgenommen die für sie selbst reservierte untere Stube. Nun beantragte Stern seine Aufnahme als kurhessischer Untertan. Obwohl er seinen langen Aufenthalt in Roth, das beträchtliche Erbe seiner Tante – das bei einer Ablehnung außer Landes gehen würde –, 1100 fl Vermögen aus dem elterlichen Erbe, seinen Ehekontrakt, die Entlassung aus dem Untertanenverband des Großherzogtums und auch das einmütige Votum der Vollversammlung der Gemeinde Roth ins Feld führen konnte, wurde diese zunächst mehrfach abgelehnt, um dann endlich 1818 genehmigt zu werden. Herz Stern hatte Miriam Bonfang inzwischen geheiratet und auch bereits eine Tochter gezeugt, die nach seiner Mutter Hennel benannt war.
Miriam schenkte der stattlichen Zahl von neun Kindern das Leben – zwei Söhnen und sieben Töchtern, von denen zwei Mädchen im Kindesalter verstarben.

In der zweiten Generation gründeten beide Söhne Herz Sterns, Haune und Bonfang, in Roth mit den Schwestern Adelheid und Malchen Wetzstein aus Treis/Lumda Familien. Sie heirateten 1855 bzw. 1857. Sie bekamen sechs Kinder, von denen ein Sohn im Säuglingsalter starb. Adelheid und Haune hatten damit nur einen überlebenden Sohn Herz, der mit vier Schwestern aufwuchs. Dieser ging als Herz II in die Annalen ein. Malchen und Bonfang hatten vier Kinder; auch ihnen starb ein Sohn im Kindesalter. Die Söhne Herz und Mannes gründeten in Roth Familien, wobei Herz als der ältere als Herz I in den Akten geführt wurde.

In der dritten Generation heiratete Herz Stern I 1885 Hilda Bachenheimer aus Fronhausen und bekam mit ihr einen Sohn Berthold und eine Tochter Bertha. Sein Bruder Mannes Stern heiratete 1891 Bertha Rosenbusch aus Borken; ihre gemeinsamen Kinder waren Toni, Hugo und Louis. Herz Stern II heiratete nach 1895 Emma Rothschild aus Angenrod, mit der er die Tochter Selma und den Sohn Hermann bekam.

Vor allem die vierte Generation mit ihren Kindern war diejenige, die vom NS-Regime in die Emigration getrieben oder in die Ghettos und in die Vernichtungslager deportiert wurde.

Stammbaum Herz Stern

Grafik Stammbaum mit Pfeil
© Annegret Wenz-Haubfleisch

Jüdische Familien und ihre Wohnhäuser in Roth

Familie Berthold Stern ››Vorne-Malches‹‹

GruppenbildFamilie Stern
GruppenbildOtto Stern (ganz rechts) in Roth

Im Haus Lahntalstr. 29 lebte Berthold Stern (1886-1929) mit seiner Familie. Er war verheiratet mit Klara (1891-1972), geb. Speier. Sie hatten zwei Söhne: Julius (1919-2005) und Otto (*1922). Im Haushalt lebte auch Bertholds Mutter Hilda (*1862-1964), geb. Bachenheimer.
Berthold Stern starb 1929. Er hatte als Soldat im Ersten Weltkrieg gekämpft, war an der Somme verwundet und später in französische Kriegsgefangen-schaft genommen worden.
Seiner Frau Klara gelang mit ihren Kindern Julius und Otto 1937 die Ausreise in die USA. Ihre Schwieger-mutter folgte 1938 nach.

Foto einer FrauKlara Stern
FachwerkhäuserLahntalstr 29
Arbeitskreis Landsynagoge Roth e.V. © Annegret Wenz-Haubfleisch, Layout Jelena Schmidt 2008

Jüdische Familien und ihre Wohnhäuser in Roth

Familie Herz Stern ››Herze‹‹

Drei PassfotosHerz Stern, Markus und Selma Roth
Kinder am HauseingangHelmut Höchster, Walter u. Herbert Roth

Kind auf MotorradHerbert Roth

Im Haus Lahntalstr. 20 lebte der Kaufmann Herz Stern II (1866-1943) mit seiner Frau Emma (1867-1937), geb. Rothschild und ihren zwei Kindern: Dem Sohn Hermann, und der Tochter Selma (1899-1934). Hermann Stern war Soldat im Ersten Weltkrieg. Er fiel 1917 an der Ostfront. Selma blieb in ihrem Elternhaus und lebte dort mit ihrem Ehemann Markus Roth (1893-1966) aus Nieder-Ohmen, sowie den Kindern Herbert (*1923), Irene (*1925) und Walter (*1929).
Selma Roth starb 1934 unerwartet an einem Fieber.

Frau mit Kindern

Irene, Selma, Walter und Herbert um 1930

Markus Roth heiratete zwei Jahre später erneut. Familiäre Kontakte seiner zweiten Frau Toni Stern ermöglichten ihm, seiner Frau und den Kindern 1938 die Auswanderung in die USA. Dort wurde im Januar 1939 die Tochter Helen geboren. Emma Stern verstarb 1937.
Da es Herz Stern nicht möglich war seine Familie in die USA zu begleiten und er nun allein war, zog er nach Frankfurt ins Altersheim. Er wurde im August 1942 von dort nach Theresienstadt deportiert und starb dort am 15. Januar 1943.

HausgiebelRechnung
Mann in UniformHermann Stern, 1917
FachwerkhausLahntalstraße 20, 1949
Ausweis mit FotoEmigrantenausweis Herbert Roth
Arbeitskreis Landsynagoge Roth e.V. © Annegret Wenz-Haubfleisch, Layout Jelena Schmidt 2008

Jüdische Familien und ihre Wohnhäuser in Roth

Familie Mannes Stern ››Herne-Malches‹‹

3 PassfotosLouis, Bertha, Hugo Stern (um 1939)
Foto einer FrauToni Stern, um 1925

Haus der 30-ger JahreUnter der Linde 1

In dem Haus Unter der Linde 1 lebte die Familie von Mannes Stern (1861-1933) und hier unter-hielt er auch sein kleines Handelsgeschäft mit Stoffen. Mit seiner Frau Bertha (*1869), geb. Rosenbusch, hatte er drei Kinder, die Söhne Louis (*1894) und Hugo (*1896), sowie die Tochter Toni (1898-1998). Nach dem Tod von Mannes Stern am 29. Januar 1933 führte seine Witwe das Geschäft weiter, vermutlich gemeinsam mit ihrem jüngeren Sohn Hugo.
Louis arbeitete in einem großen Konfektionshaus in Frankfurt und lebte dort auch unter der Woche, bevor er 1939 gezwungenermaßen nach Roth zurückkehrte. Toni Stern heiratete 1936 den Witwer Markus Roth und wanderte mit der Familie 1938 in die USA aus.

handschriftlicher BriefBertha Stern - Briefausschnitt

Transkription „Meine Lieben! Gelangten heute im Besitz Eures Briefes, ich kann Euch nicht beschreiben wie sehr erfreut und Überrascht wir waren Bin froh daß du l.Toni so gut im stand bist und auch das Kind gesund ist. Nehmet meine herzlichste Gratulation ich will hoffen daß mein Enkelchen zu Eurer und unserer Freude heranwachsen möge.“ (Brief vom 21.1.39)

Trotz zahlreicher Bemühungen gelang es Bertha, Louis und Hugo Stern nicht mehr nachzukommen. Am 6. September 1942 wurden sie nach Theresien-stadt deportiert und 1943, bzw. 1944 nach Auschwitz. Sie haben nicht überlebt.

Arbeitskreis Landsynagoge Roth e.V. © Annegret Wenz-Haubfleisch, Layout Jelena Schmidt 2008